Jumble Blue | Sogar wenn Elektroautos tatsächlich nicht grüner wären, wären sie die bessere Alternative.
Eine Webseite über diverse Themen aus Technology, Welt, Leben und Kunst
159
post-template-default,single,single-post,postid-159,single-format-standard,ajax_fade,page_not_loaded,,qode-title-hidden,qode-theme-ver-8.0,wpb-js-composer js-comp-ver-5.4.2,vc_responsive

24 Mrz Sogar wenn Elektroautos tatsächlich nicht grüner wären, wären sie die bessere Alternative.

Die Mythen um Elektroautos werden in den Medien zu einem unverständlichen Durcheinander. Es scheint als ob die meisten Artikel undifferenziert für oder gegen elektrische Mobilität sind. Viele Dinge die für oder gegen elektrische Mobilität gesagt wird sind auch wahr, aber sehr oft verpassen beiden Seiten den wichtigsten Punkt.

Im Zentrum der Diskussion steht ob elektrische Autos nun wirklich besser für die Umwelt sind oder nicht. Doch die Antwort ist kein einfaches Ja oder Nein, aber in jedem Fall sind elektrische Autos auf lange Sicht gesehen besser für die Umwelt und ich erkläre hier warum.

Die gängigen Argumente gegen elektrische Autos lassen sich in zwei Punkten zusammenfassen

  1. Die Elektrizität die ein elektrisches Auto benötigt muss irgendwo produziert werden und oft wird diese Elektrizität von Kraftwerken generiert die fossile Brennstoffe verbrennen. Somit verbrennen die Elektroautos keine fossile Brensstoffe, dafür aber andere für sie.
  2. Die Produktion der benötigten Batterien ist energieintensiv und das Beschaffen der nötigen Rohstoffe schadet der Umwelt. Zudem blieben Batterien als Giftmüll zurück.

Diese Argumente sind für manche Situationen auch zutreffend und es sieht vielleicht auf den ersten Blick so aus als ob elektrische Autos nur ein grüner-Kurzschluss sind. Doch sogar für diese Situationen sind elektrische Autos das was jeder verantwortungsvolle Autobesitzer fahren sollte.

Elektrische Fahrzeuge haben das potential um sauber zu sein. Normale Autos haben das nicht.

Das perfekte Beispiel für ein Elektroauto wäre ein Auto das mit erneuerbaren (Wind, Wasser, Sonne) produziert wurde, mit erneuerbaren Energien geladen wird und am Ende seiner Zeit komplett mit erneuerbaren Energien rezikliert wird. Natürlich existiert so ein Fall heute noch nicht, doch er kann in der Zukunft existieren.

Ein Auto das mit einem Verbrennungsmotor betrieben wird kann niemals so einen perfekten Fall haben. Es ist eine Sackgasse, eine Strasse der man nicht folgen will, es wird immer einen erschöpfliche Rohstoff benötigen und die (giftigen) Abgasse können niemals rezikliert werden.

Sicher, elektrische Fahrzeuge sind noch in den Kinderschuhen, haben noch einen langen Weg vor sich und sind in manchen Regionen vielleicht auch noch nicht grüner als konventionelle Autos. Aber sie werden grüner sein und können grüner sein und sie brauchen unsere Unterstützung. Das gilt für jede Art von elektrischen Fortbewegungsmitteln. Was ist ihr nächstes Fortbewegungsmittel?

Die Gegenargumente sind einfach zu relativieren

Laden

Von der Wiege bis ins Grab Elektroauto vs. Benzinautos

Es kommt sehr darauf an wo man sein Elektroauto auflädt um sagen zu können wie sehr es der Umwelt schadet. Wenn man in der Schweiz lebt, wo etwa die Hälfte der Elektrizität aus Wasserkraft kommt, oder nur schon den normalen Europäischen Strommix aus erneuerbaren und nichterneuerbaren Energien bezieht, dann ist ein Elektroauto bereits sauberer als ein normales Auto. Eine sehr gründliche Studie aus der Schweiz hat dies evaluiert. Nur wenn der Strom ausschliesslich aus Kohlekraftwerken bezogen werden würde, wäre das Elektroauto nicht sauberer, doch dies entspricht nicht der Realität und doch wird es von den Gegnern immer wieder als Argument erwähnt. Die Studie hat sich den ganzen Zyklus des Elektroautos angeschaut, also inklusive Herstellung des Fahrzeuges und eine Studie in den USA hat sogar noch das recycling einbezogen. Beide Studien kommen zum Schluss, dass ein Elektroauto gut doppelt so viel Energie in der Herstellung benötigt, aber sich dies auf die Lebenszeit des Autos gerrechnet amortisiert. Als Nebenbemerkung, der CO2 Ausstoss ist ein Indikator dafür wie viel Energie verbraucht wurde.

In der Studie aus der Schweiz wird gezeigt das dies insbesondere der Fall ist, wenn das Elektroauto mit Strom aus erneuerbaren Energien gedeckt wird. Vergleich von CO2 Ausstoss Elektroautos und konventionelle AutosVielen Menschen ist nicht klar, dass bereits das Dach eines Carports, bzw. eine Fläche von 5×5 Metern von Solarzellen in einem Jahr genügend Energie produziert um ein grosszügiges Elektroauto wie einen Tesla Model-S 15’000-20’000km weit zu fahren. Die Anschaffung einer Solaranlage die ein Elektroauto während einem Jahr gratis betanken kann kostet 2016 um 5000 Euro. Zieht man in Betracht, dass die Benzinkosten für ein Jahr mit 20’000km gefahrenen zwischen 1000 und 2000 Euro betragen und tendenziell steigen, stellt sich wirklich die Frage warum dies nicht jeder tut.

Produktion, Rohstoffe und Reziklierung

Natürlich spielt es eine Rolle wer das Auto produziert hat um wissen zu können, wie gross der Umweltschaden durch die Produktion ist. Studien generalisieren dies über alle Hersteller, aber die Konsumenten haben die Wahl. Tesla wird in seiner Gigafactory in Zukunft die Batterien ausschliesslich mit Solarenergie produzieren und produziert schon jetzt die Autos so. Ausserdem werden die Batterien nach ihrer Lebenszeit sehr gründlich rezikliert.

Leute die kritisieren, dass die Batterien giftig seien scheinen nicht zu verstehen, dass es sich hierbei nicht um kleine AA-Batterien handelt die der Gedankenlose Konsument in den Abfall werfen kann sondern um riesige Batterien mit hunderten Kilo Gewicht. Diese Batterien werden von den Autoherstellern sogar zurück gekauft und dann als Energiespeichersysteme für Häuser wiedergeboren, weil dafür auch ältere Batterien noch eingesetzt werden können. Zudem sind viele der Rohstoffe für die Batterien rar und es ist im Interesse der Hersteller selbst alles zurückzugewinnen was sie können. Durch das grosse Volumen in der Autoindustrie werden alle diese Prozesse auf sehr hohem Niveau optimiert werden. Nicht zu vergleichen mit dem heutigen Recycling von Klein-batterien.

Die Beschaffung von Rohstoffen wie Kobalt oder Lithium ist tatsächlich ein Problem und in diesem Bereich muss viel Arbeit getan werden. Die jetzigen Zustände sind klar unhaltbar. Allerdings kann dies nicht als Gegenargument für Elektromobilität geltend gemacht werden, sondern nur als Gegenargument für jeglichen Luxus. Denn wenn Befürworter von konventionellen Autos anführen, dass die Beschaffung von Kobalt ein Problem ist, dann lassen sie dabei weg wie das Erdöl beschafft wird und was die Auswirkungend davon sind. Man denke an Fracking, Ölkatastrophen und sogar Kriege um das Öl und die Folgen der Kriege wie menschliches Elend und Flucht. Ja, die Beschaffung von Rohstoffen ist ein Problem, aber das gilt auch für normale Autos. Doch wie gesagt, die Elektroautos haben das Potential um sauber zu sein, die normalen nicht.

Wir haben die Macht

Wir die Konsumenten haben die Macht darüber zu entscheiden wo wir das Auto kaufen und wie wir es aufladen. Sogar wenn man selbst keinen Platz hat um Solarzellen zu montieren, so kann man in den meisten Regionen zertifizierten Strom aus dem Netz beziehen, wenn man bereit ist den Aufpreis zu bezahlen. Selbst dieser Strom ist günstiger als Benzin. Ausserdem kann man auch in Solarenergie investieren, es gibt Genossenschaften oder Gemeinschaften die zusammen Dächer bedecken die Verfügbar sind.

Zudem gibt es, insbesondere in den USA, einen immer grösser werdenden Markt von Umbauten. Jedes Fahrzeug kann grundsätzlich in ein Elektrisches Fahrzeug umgebaut werden. Das gilt vom Fahrrad bis zum Gabelstapler. Die Preise für solche Umbauten fallen laufend weil die Batteriepreise laufend fallen. Das gilt natürlich auch für neu angeschaffte Elektroautos. 2018 ist das Jahr in dem man ein Elektroauto mit einer Reichweite von 300km zum gleichen Preis kaufen kann wie ein vergleichbares Benzinauto.

Übrigens, Wirkungsgrad und Wasserstoffautos

Effizienz

Ein normaler Verbrennungsmotor hat einen Wirkungsgrad von 15-40%. Der Rest der Energie aus dem Benzin verpufft als Wärme an die Umgebung. Ein Elektroauto hat einen Wirkungsgrad von etwa 80%, der Rest geht vor allem in der Batterie als Wärme verloren. Das heisst von dem Strom aus der Steckdose werden 80% tatsächlich für das Fahren verwendet, während beim Benzin weit weniger als die Hälfte der Energie sinnvoll verwendet wird. Ausserdem brauchen Elektroautos da sie viel einfacher aufgebaut sind als normale Autos weniger Serviceaufwand und sind deshalb günstiger im Unterhalt.

Wasserstoffautos

Wasserstoff wird heute oft noch aus oder mit Hilfe von fossilen Brennstoffen produziert und das ist natürlich unsinnig. Alternativ kann Wasserstoff durch Elektrolyse mit Hilfe von Elektrizität direkt aus Wasser gewonnen werden. Der Wirkungsgrad der Elektrolyse beträgt etwa 70%. Das heisst 30% der Elektrizität für die Wasserstoffgewinnung ist bereits bei der Elektrolsyse verloren. Es gibt sehr interessante Ideen das man Wasserstoff direkt mit der Hilfe von Sonnenlicht aus Wasser gewinnen kann. Mit einem derzeit noch theoretischen Wirkungsgrad von 13% wäre dies etwa gleich effizient wie die Stromgewinnung mit heutigen Solarzellen und wäre somit eine ebenbürtige Alternative zur direkten Stromnutzung aus der Solarzelle. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

Autos die Wasserstoff in einem Verbrennungsmotor verbrennen sind natürlich unsinnig. Sie produzieren zwar als Abgase nur Wasser sind aber ebenso ineffizient wie Autos die Benzin oder Diesel verbrennen. Ein klugeres Wasserstoffauto benutzt eine Brennstoffzelle. Eine Brennstoffzelle verwandelt Wasserstoff und Sauerstoff direkt in Elektrizität und Wasser. Mit der Elektrizität wird dann ein Elektromotor betrieben. Somit ist ein Wasserstoffauto ein Elektroauto mit einer Wasserstoffbatterie. Eine wundervolle Idee mit einem Problem. Die Brennstoffzelle hat einen maximalen Wirkungsgrad von 60% in der Realität eher unter 50% und ist somit viel ineffizienter als eine Batterie. Ausserdem ist die heutige Lebensdauer von Brennstoffzellen in einem Auto unter 30’000-40’000 km und somit nicht praktikabel.

Man verwendet also 100% Elektrizität um Wasserstoff mit Elektrolyse aus Wasser zu gewinnen und bekommt davon 70% als Wasserstoff. Dann betreibt man damit eine Brennstoffzelle und bekommt davon noch knapp 50% um fahren zu können. Das ist insgesammt weniger als 40% der ursprünglichen Energie und somit nur die Hälfte dessen was ein ein batteriebetriebenes Elektroauto hätte nutzen können. Ein heutiges Wasserstoffauto benötigt also doppelt so viel Elektrizität als ein batteriebetriebenes Elektroauto. Zudem ist man abhängig von Wasserstofflieferanten und mehr Infrastruktur wird benötigt. Wir können dann auch nicht einfach eine eigene Tankstelle auf dem Dach haben. Wenn die Wasserstoffproduktion vereinfacht und die Brennstoffzellen optimiert werden können, dann haben die Wasserstoffautos in 10 Jahren vielleicht eine Chance, aber bis dahin haben die Batterieautos bereits wieder 10 Jahre Vorsprung und sie sind schon heute praktikabel.

Wenn man alle Fakten berücksichtigt bleibt unter dem Strich ganz klar: batteriebetriebene Elektroautos sind die Zukunft der verwantwortungsbewusten Mobilität. Nur der Zug und Muskeln sind besser.